IID Tool von GAP – Fahrzeugdiagnose und Programmierung

IID Tool von GAP – Fahrzeugdiagnose und Programmierung

1. September 2020 Aus Von Kenny

Das IID Tool von GAP gehört zu den leistungsfähigsten Diagnosegeräten für den Land Rover Discovery 3/4 am Markt. Das Tool wird direkt in die Diagnosebuchse im Fußraum des Fahrerbereiches eingesteckt und kommuniziert über eine Bluetooth Verbindung mit einer dazugehörigen App für das Smartphone. Die Verbindung funktioniert dabei extrem zuverlässig und wir selbst haben es noch nicht erlebt, dass es Probleme bei der Datenkommunikation gab. Die Anzeige am Handy ist intuitiv und einfach, der Funktionsumfang ist enorm.

Dieser Beitrag stellt lediglich eine kurze Übersicht dar und soll nicht die sehr ausführliche (englischsprachige) Anleitung des IID Tools ersetzen. Zudem werden in diesem Beitrag lediglich Möglichkeiten beschrieben ohne dabei auf die jeweils individuellen Risiken der jeweiligen Programmierung einzugehen. Jede Progammierung sollte daher noch einmal im Handbuch des Tools nachgelesen werden, bevor hier eine Änderung vorgenommen wird. Die Funktionsübersicht gilt generell für den Discovery 3/4 – aber auch für viele andere Fahrzeuge bietet das System verschiedene Möglichkeiten (siehe Hersteller Handbuch).

Das Handbuch (nur englisch) kann heruntergeladen werden unter folgendem Link: Handbuch

Funktionen

Die verfügbaren Funktionen des IID Tools sind in folgende Gruppen eingeteilt:

  1. Fault Codes – Anzeigen und Löschen von Fehlern
  2. Live Values – Anzeige von Live Werten
  3. Control IOs – Fahrzeugkonfiguration
  4. Service Routines – Parameteranpassung einzelner Werte
  5. Height Control – Anpassen der Fahrzeughöhe
  6. ECU Info – Steuergerät Updates, Neuprogrammierung
  7. Erweitere Funktionen (Freischaltung nötig, Beispiele:)

Funktionsbeschreibung

1. Analyse von Fehlercodes

In dieser Rubrik lassen sich alle Fehlercodes die in jedem Steuergerät gespeichert sind auslesen und löschen. Das System kann dabei sowohl die „bestätigten Fehler“ anzeigen, die meist auch zu einer Fehlermeldung im Instrumentenfeld des Fahrzeuges führen, als auch die „nur gelegentlich“ auftretenden Fehler, die nicht im Display des Fahrzeuges angezeigt werden oder die historischen und gespeicherten Fehler, die mal aufgetreten sind aber schon nicht mehr vorhanden sind.

Die Fehlerdiagnosefunktion stellt quasi eine der wichtigsten Aufgaben bei der Ursachenfindung von Problemen dar. Ohne die Informationen, welche Komponente den Fehler verursacht, ist die Suche danach erheblich schwieriger und leider oft auch sehr kostspielig. Dennoch ist auch die Fehleranalyse per Fehlercode oft nicht leicht und intuitiv und erfordert etwas an Erfahrung.

Die typische Vorgehensweise bei der Fehleranalyse in aller Kurzform ist: Fehler auslesen und interpretieren -> Reparieren -> Kalibrieren / Service Routine durchführen (wenn nötig) -> Fehler löschen (ggf. vorher ein kurzes Stück fahren)

2. Live Wertanzeige

Die Live-Wertanzeige ist eine enorm mächtige Funktion zur Analyse des gesamten Fahrzeuges und zur Identifikation von Problemen. In der Live-Anzeige lassen sich nahezu alle im Fahrzeug vorhandenen Sensoren und darüber hinaus auch enorm viele in den Steuergeräten berechneten Werte anzeigen. Man kann zudem verschiedene Listen anlegen und speichern, so dass man schnellen Zugriff auf die am häufigsten benötigten Werte hat. Hier alle Werte aufzuführen wäre viel zu viel, daher hier nur eine winzig kleine Auswahl an Werten, die man live anzeigen kann. Die Live Anzeige funktioniert dabei sowohl als numerischer Wert, als auch in Form eines Liniendiagramms.

Zusätzlich lassen sich auch Trigger (Auslöser) programmieren, so das bestimmte Messungen (oder Alarme) automatisch ausgelöst werden, wenn einzelne Werte vordefinierte Grenzen erreichen.

Werte:
– Fahrzeuggeschwindigkeit
– Geschwindigkeit jedes einzelnen Reifens
– Außentemperatur
– Kraftstofftemperatur nach dem Vorheizen
– Aktivität der Kraftstoffpumpe
– Aktivität der Vorglüheinheit
– Innentemperatur im Fahrzeug
– Bordspannung im Bordnetz
– Aktivität der Wasserpumpe
– Ladestrom der Batterie
– Etnahmestrom der Batterie
– Durchschnittliche Batterieentladung bei abgestelltem Fahrzeug
– Durchschnittliche Batterieaufladung bei gestartetem Motor
– Anzahl der gespeicherten Batteriewechsel
– Aktuelle Stromfluss an der Batterie
– Ladezustand der Batterie
– Batterie Temperatur
– Batteriespannung
– Volumenstrom, Ventilstellungen und prozentuale Auslastungen der Innenraumgebläse und Klimaanlage
– Aktorstellung von jedem Aktor an den Luftstromklappen
– Drehzahl des Motors
– Kühlwassertemperatur
– Temperatur der angesaugten Luft
– Volumenstrom des angesaugten Luftstromes
– Gaspedalstellung von 0-100%
– Ventilstellung der EGR Ventile
– Aktuelle Motorbelastung
– Hauptspannungsversorgung
– Anzahl der Ereignisse: Wasser im Kraftstoff erkannt
– Dieselpartikelfilter – Differenzdruck
– DPF Beladungszustand
– Ölstand berechnet und gemessen
– Abgastemperatur hinter jedem Zylinder
– Öl-Qualität und Verschmutzungsfaktor
– Aktuelle Fahrzeughöhe an jedem Rad
– Druck in der Fahrwerksverteilung (Gallery)
– Kompressortemperatur
– Motortemperatur
– Aktiviertes Fahrprogramm
– Türsensor, Türstatus
– Stellung jedes Ventils der Luftverteilung in Prozent
– Lenkwinkelsensor Signal
– Umdrehungsgeschwindigkeit Lenkrad
– Getriebetemperatur, Öltemperatur
– Ausgewählter Gang
– Umdrehungsgeschwindigkeit Abtriebsseite Getriebe
– Aktivität von Schaltwippen
– Druck in jedem Kupplungsbereich
– Drehmoment am Abtrieb
– und viele viele mehr…

3. Control IOs – Fahrzeugkonfiguration

Im Bereich Control IO (Kontrolle der Inputs und Outputs) lassen sich die Werte verschiedener Aktoren manuell verändern oder überschreiben. Dabei können den Steuergeräten simulierte Werte vorgegaukelt werden, die gar nicht mit den real erfassten Werten übereinstimmen.
Die Liste der Werte die hier verändert werden können ist ebenfalls sehr umfangreich und wird daher hier nicht im Detail aufgeführt.

4. Kalibrierung einzelner Werte / Calibration

Es existieren verschiedene Systeme im Fahrzeug, die bei einer Erneuerung nicht sofort funktionsfähig sind, sondern stattdessen erst einmal einer erneuten Kalibrierung bedürfen. Dazu gehören beispielsweise:
– Lenkwinkelsensor
– Parkbremsposition
– Gierratensensor
– Getriebekalibrierung
– Kupplungkalibrierung
– Kalibrierung der aktiven Dämpfung
– Kalibrierung der Luftfederung
Funktion eignet sich auch zum Ausnivellieren des Fahrzeuges auf unebenem Untergrund – z.B. bei Verwendung eines Dachzeltes
– ACC Kalibrierung
– Unterstütztes Lenken

5. Height Control – Anpassen der Fahrzeughöhe

Im Bereich Höhenanpassung lassen sich verschiedene Einstellungen vornehmen. Die wichtigsten sind das Umprogrammieren der Höheneinstellung in den verschiedenen Fahrzeugmodi: Geländehöhe, Normal, Autobahnhöhe, Einstiegshöhe. Diese Einstellungen lassen sich auf nahezu beliebige Werte anpassen, so dass beispielsweise die normale Höhe schon der eigentlichen Geländehöhe entspricht oder so dass man das Fahrzeug bei sehr niedrigen Tiefgaragen extrem absenken kann. Bei der Höhenanpassung sind auch Korrekturen möglich die nur einzelne Achsen betreffen, so lässt sich beispielsweise das leicht keilförmige Höhenverhältnis des korrigieren.
Die geänderten Einstellungen lassen sich dann in insgesamt 3 verschiedenen Fahrprogrammen speichern, so dass sie zukünftig schnell abgerufen werden können.

6. ECU Info – Steuergerät

Auslesen und Anzeigen des Status und der Softwareversion von jedem im Fahrzeug verbauten Steuergerät. Installation von Softwareupdates für die verschiedenen Steuergeräte ebenfalls möglich.

7. Service Test

Im Bereich Service lassen sich verschiedene Einstellungen vornehmen, die bei der Reparatur von Fahrzeugkomponenten notwendig sind. Dazu zählen beispielsweise:
– Vollständiges (oder auch nur teilweise) Ablassen des Druckes im Luftfahrwerk aus allen Komponenten (oder nur eines einzelnen Dämpfers, des Speichers, der Gallery) zum sicheren Arbeiten am Fahrwerk
– Testen einzelner Ventile des Luftfahrwerkes durch manuelle Schaltung
– Aktivieren des Transportmodus (kein automatischer Ausgleich der Höhe)
– Verfahren der elektronischen Parkbremse in die Wartungsposition
– Adaptionswerte des Motors löschen: Alle Anpassungswerte die das Motorsteuergerät mit der Zeit „gelernt“ hat werden auf Fabrikursprung zurückgesetzt. Der Motor lernt alles neu
– Manuelles Aktivieren der Kraftstoffpumpe
– Manuelles Aktivieren der Injektoren
– Neuprogrammierung der Injektoren – notwendig nach einem Austausch
– Dieselpartikelfilter – Drucksensor zurücksetzen (nach Austausch notwendig)
– Luftmassenmesser – Sensor zurücksetzen
– Ölsystem zurücksetzen – Servicemeldung zurücksetzen
– Turbolader Zurücksetzen nach Austausch des Laders
– Neuprogrammierung der Sicherheitskennung – nach einem Motor ECU Austausch notwendig
– Zurücksetzen der Hochdruckpumpe – nach Austausch
– Aktivierung des Anlernprogramms für das Motorsteuergerät – nach Austausch von Komponenten am Motor notwendig
– Aktivieren der automatischen Kraftstoffleitungs-Entlüftungsfunktion
– Zurücksetzen der Service-Intervall-Anzeige
– Zurücksetzen des selbstlernenden Schaltverhaltens des Automatikgetriebes
– Anlernen von neuen Fahrzeugschlüsseln
– Anlernen neuer Fahrzeugbatterien nach einem Wechsel
– Zurücksetzen des Batterie Monitoring (Management) Systems
– Zurücksetzen des Crash-Status-Zählers
– Anlernen der Fensterheber Antippfunktion
– Zurücksetzen des Airbag-Systems (nach Austausch)
– Anlernen des Regensensors (nach Austausch)
– und vieles mehr…

8. Car Configuration

Im Bereich Fahrzeugkonfiguration lässt sich die werksseitige Programmierung von Fahrzeugfunktionen verändern. Dabei wird das aktuelle Programm aus dem Fahrzeug heruntergeladen und gespeichert und anschließend ein geändertes Fahrzeugprogramm auf das Steuergerät hochgeladen.

Auf diese Weise lassen sich Funktionen am Fahrzeug freischalten die der Hersteller in dem Fahrzeug deaktiviert hat (weil diese beispielsweise nicht als kostenpflichtiges Sonderzubehör gekauft wurden). Hier eine Liste einiger möglicher Freischaltungen, wobei für manche Funktionen auch zusätzliche Hardware notwendig ist (z.B. Monitore in den Kopfstützen bei „DVD Rückbank“):
– 4×4 Informationsdisplay freischalten
– Rückfahrkamera aktivieren
– Videoeingang aktivieren
– Ändern des Reifenumfanges, Anpassen das Tachos bei größeren Rädern
– Bluetooth aktivieren
– Handyfunktion aktivieren
– Multimediamodul aktivieren
– DVD Funktion in den Kopfstützen aktivieren
– Luxusdisplayfunktionen aktivieren
– Spracheingabe aktivieren
– Bedienung des Navigationsgerätes während der Fahrt freischalten
– DVD Player aktivieren
– Anklappfunktion der Spiegel aktivieren
– Tippfunktion der Blinker freischalten
– TV Modul aktivieren
– Adaptives Scheinwerfersystem aktivieren
– Fernlichtassistent aktivieren
– Abbiegelicht aktivieren
– Tempomat freischalten und aktiveren
– Tagfahrlicht aktivieren (Skandinavienlicht oder Kanadalicht)
– Nebelscheinwerfer aktivieren
– Memorysitze aktivieren
– Regensensor aktivieren
– Reifendruckkontrollsystem aktivieren
– Anhänger Stabilitäts-System aktivieren
– Xenonlicht aktivieren
– Klimatisierte Sitze aktivieren
– Lenkradheizung aktivieren
– Standheizung aktivieren (Zuheizer)
– Kalibrierung der Sitzheizung auf unterschiedliche Wunschtemperaturen
– Sitzheizung Rückbank aktivieren
– Einparkassistenz aktivieren
– Automatisches Lösen der Parkbremse freischalten
– Sicherheitsgurt-Erinnerung umprogrammieren
– und viele mehr

Hinweis: Die verfügbaren Funktionen unterscheiden sich je nach Fahrzeugmodell teilweise stark. In der Anleitung ist hinter jeder Funktion aufgelistet für welche Modelle diese Funktion möglich ist. Ein Beispiel könnt Ihr hier im Bild sehen. Der L319 ist beispielsweise der Discovery 4.

Fazit

Fazit ist: Programmiergeräte wie das IID Tool haben einen enormen Funktionsumfang und sind bei Fahrzeugen mit vielen elektronischen Helfern unabkömmlich. Ich persönlich habe das Programmiergerät bei jeder längeren Fahrt mit dem Fahrzeug dabei und würde mich auf keine Reise ohne das Tool wagen. Mit dem Tool in der Tasche lassen sich ettliche Fehler des Fahrzeuges entweder sofort beheben oder es lässt sich zumindest die genaue Ursache für das Auftreten des Fehlers eingrenzen oder sogar komplett ermitteln. Denn auch viele freie Werkstätten die man unterwegs findet können einem meist nicht helfen, weil diese keine Möglichkeit haben die Fehler zu beheben.

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