Die 3 wichtigsten Offroad-Fahrzeug Modifikationen

Die 3 wichtigsten Offroad-Fahrzeug Modifikationen

23. Oktober 2020 Aus Von Kenny

Häufig bekommen wir die Frage gestellt, welche Modifikationen notwendig oder empfehlenswert sind, wenn man mit einem Land Rover Geländewagen wirklich „Offroad“ fahren möchte, wobei wir damit nicht irgendwelche Feldwege oder dergleichen meinen, sondern von richtigem Offroad Einsatz sprechen.
Grundsätzlich kann man dazu schon einmal sagen, dass die Land Rover Geländewagen auch ohne Modifikationen schon hervorragende Geländeeigenschaften besitzen. Wenn man diese aber noch etwas verbessern möchte, empfehlen wir immer diese drei ersten Modifikationen:

1. Reifen und Felgen
2. Fahrzeugschutz
3. Seilwinde

Reifen und Felgen

Der Reifen ist die Verbindung zwischen dem Fahrzeug und dem Boden. Nur wenn der Reifen Haftung bzw. „Traktion“ aufbauen kann, ist man überhaupt erst in der Lage vorwärts zu kommen. Wer schonmal versucht hat mit einem Turnschuh einen schlammigen Berg hochzuklettern und dann einen Wanderschuh mit grobstolligem Profil angezogen hat, der weiß wovon wir hier reden. Folglich ist auch der Reifen bei jedem Geländewagen einer der entscheidenden Punkte die über das Weiterkommen oder das Steckenbleiben entscheiden. Nicht umsonst haben ja auch die Unimogs oder die Traktoren auf den Feldern hier besonders grobstollige Exemplare montiert.

Aber was sind genau die Aspekte die einen Reifen und seine Eignung für Geländefahrten ausmachen? Viele denken hier sofort an das Profil und überlegen in Richtung AT oder MT, das ist aber nicht das einzige was beachtet werden muss. Vielmehr ist auch die allgemeine Reifengröße ein wichtiger Punkt, mit dem wir hier beginnen werden:

Das ist zum einen der Durchmesser. Je größer der Durchmesser eines Reifen ist, desto größer ist auch die Aufstandsfläche mit der der Reifen auf dem Boden aufliegt. Je größer diese Fläche ist, um so mehr Traktion kann der Reifen auf losem Untergrund aufbauen und um so weniger sinkt der Reifen ein. Zudem hilft ein großer Reifendurchmesser enorm beim Auffahren auf ein Hindernis.
Ein schöner Vergleich ist das Auffahren auf einen Bordsteine mit einem Einkaufswagen oder einem Fahrrad – was geht nun besser? Zudem ist es auch so, dass ein größerer Reifendurchmesser auch gleichzeitig dafür sorgt, dass die Radnabe weiter vom Boden entfernt ist, somit steigt die Bodenfreiheit, je größer der Reifen wird.
Als Faustregel kann man sagen: Je größer desto besser.



Nebem dem Durchmesser spielt aber natürlich auch die Reifenbreite eine wichtige Rolle. Hierbei ist es allerdings nicht ganz so pauschal zu beantworten wie bei dem Durchmesser. Während im Sand und Schlamm beispielsweise eine recht große Reifenbreite Vorteile hat, kann beim Felsenklettern auch eine geringere Reifenbreite Vorteile haben. Im losen Gelände führt nämlich die breite Aufstandsfläche dazu, dass der Reifen nicht so tief einsinken kann (aus diesem Grund senkt man beispielsweise auch den Reifendruck im Gelände ab, damit der Reifen platter wird und damit mehr Aufstandsfläche bekommt, sich sozusagen an das Gelände anschmiegt). Beim Felsenklettern hingegen ist es so, dass auch ein schmalerer Reifen Vorteile haben kann. Bei dem schmaleren Reifen liegt das gesamte Fahrzeuggewicht auf einer kleinen Aufstandsfläche, die sogenannte Flächenpressung ist somit sehr hoch. Auf sehr steinigem Untergrund kann der Reifen sich also gut im Gelände verkrallen. Diese Situation ist aber eher eine Ausnahme, in der überwiegenden Anzahl der Fälle (zumindest in meinem Einsatzbereich) überwiegen die Vorteile des breiteren Reifens.
Faustregel: Je breiter der Reifen, desto besser (ausser bei extremem Felsenklettern)

Als nächstes widmen wir uns der Flankenhöhe des Reifens. Also dem Anteil der die Differenz zwischen Reifendurchmesser und Felgendurchmesser darstellt. Eine hohe Flankenhöhe führt dazu, dass der Reifen verschiedene Aufgaben die im Gelände notwendig sind besser erfüllen kann. Beispielsweise kann man mit einem solchen Reifen den Druck deutlich stärker absenken ohne dass die Gefahr besteht, die Felge zu beschädigen. Zudem federt der dicke Reifen Stöße sehr viel effektiver weg als ein Reifen mit geringerem Querschnitt und härterem Luftdruck. Als letztes muss noch erwähnt werden, dass die Felge natürlich auch besser geschützt ist, wenn sie nicht so nah am Untergrund ist.
Wenn wirklich mit sehr geringem Luftdruck gefahren werden soll, sind zudem spezielle Felgen empfehlenswert, die den Reifen daran hindern, sich auf der Felge zu drehen oder sogar von der Felge herunterzuspringen. Diese sogenannten Beadlock Felgen klemmen den Reifen ein und verhindern diese Fehler somit effektiv.
Faustregel: Je größer der Reifenquerschnitt, desto geeigneter ist der Reifen für Offroad Fahrten

Sehr guter Geländereifen, relativ kleine Felge, großer Querschnitt und MT Profil


Und jetzt kommen wir endlich zum Reifenprofil. Beim Reifenprofil ist es so, dass grundsätzlich die Unterscheidung in AT (All Terrain) und MT (Mud Terrain) Reifen vorgenommen wird. Der AT Reifen ist sozusagen ein Allrounder, mit dem man auf der Straße unterwegs sein kann oder auch im Gelände. Viele AT Reifen zeigen hier eine wirklich gute Performance und sind gleichzeitig noch recht leise und kraftstoffsparend zu fahren. Die MT Reifen sind da schon etwas extremer aufgestellt. MT Reifen haben oft einen sehr hohen Negativanteil im Profil (Stollen mit viel Luft dazwischen), wodurch sie sich zwar stark im Gelände verkrallen können und sozusagen „eins werden mit dem Untergrund“, wodurch aber die Fahrt auf der Straße oft „schwammig“ und laut wird. Welches Reifenprofil das beste ist kann man so pauschal nicht sagen, es gibt unterschiedliche Profile für unterschiedliche Untergründe von Sand über Schlamm bis hin zu Felsen. Bei einigen Reifen ist das Profil auch leicht auf die Seitenflanke heruntergezogen, was durchaus nützlich sein kann, wenn der Reifen in einer Spurrille eingesunken ist.
Faustregel: Gute AT sind oft angenehme Allrounder, wer wirklich primär Offroad unterwegs ist und in sehr hartem Gelände sollte zum MT greifen.

AT Reifen in 275/50 R20 – kein wirklich guter Geländereifen da zu geringer Querschnitt und zu große Felge

 

Fahrzeugschutz

Der zweite Punkt den wir hinsichtlich Offroad Ausrüstung empfehlen ist das Thema Fahrzeugschutz. Die Land Rover Fahrzeuge besitzen zwar ab Werk schon einen für ein Serienfahrzeug überdurchschnittlich guten Fahrzeugschutz (Unterboden), jedoch eignet sich dieser nicht für harte Geländeeinsätze. Ein Fahrzeugschutz hat die Aufgabe, das Fahrzeug – wie der Name schon sagt – vor Beschädigungen zu schützen. Dies ist nicht nur wichtig, weil wir unsere Fahrzeuge lieben und viel viel Geld darein gesteckt haben, sondern auch weil ein defektes Fahrzeug im Gelände unter Umständen nicht weiterfahren kann und dies wollen wir ja tunlichst vermeiden.

Was muss man also am Fahrzeug schützen?
Das ist im wesentlichen der Unterboden, die Stoßstangen und die Seiten des Fahrzeuges. Dazu kommt dann noch der Schutz der Scheinwerfer und aus optischen Gründen auch der Schutz des Lackes.

Fangen wir mal beim Unterboden an. Der Unterboden (also die Unterseite des Autos) kommt im Gelände häufig in Kontakt mit dem Boden. Dies kann bei steinigem Unterboden schnell zu schweren Schäden führen, weshalb ein Schutz des Unterbodens ein sehr wichtiger Punkt ist. Dabei verwendet man meist dicke Platten aus Aluminium die sowohl im Bereich des Motorraums als auch im Bereich der Differentiale oder der Stoßfänger unter das Fahrzeug geschraubt werden. Diese Unterfahrschutze oder auch Skid Plates bewahren dabei die technischen Komponenten vor dem Aufprall oder Anprall an Hindernisse. Zudem schützen diese auch die vordere und hintere Stoßstange davor abzureißen, wenn die Böschungswinkel des Fahrzeuges einmal überstrapaziert wurden.



Ein weiterer wichtiger Schutz ist der sogenannte Tree- oder Rockslider. Diese werden seitlich am Schweller des Fahrzeuges montiert und schützen die sensiblen Schweller vor dem Anprall, beispielsweise wenn in einer engen Kurve eine Wurzel oder ein Fels umfahren werden muss und die Seite berührt, oder wenn man von einem Hindernis abrutscht und mit der Seite auf das Hindernis aufsetzt. Rockslider sind dabei übrigens nicht mit Trittbrettern zu verwechseln. Trittbretter sehen zwar ähnlich aus, sind aber meist bei weitem nicht so massiv ausgeführt wie richtige Rockslider und bieten damit eher optischen Nutzwert oder eine Einstiegshilfe als einen wirklichen Fahrzeugschutz.

montierter Rockslider



Neben dem Unterboden- und Schwellerschutz werden häufig auch Frontschutzbügel montiert. Diese Frontschutzbügel sind heutzutage aber aufgrund der gestiegenen gesetzlichen Anforderungen an den Fußgängerschutz oft nicht mehr wirklich steif und massiv am Fahrzeug montiert, sondern nur über leichte Haltelaschen befestigt. Diese stellen somit oft keinen wirklichen Schutz des Fahrzeuges dar, sondern sind eher ein optisches Gimmick. Positiv bei den Bügel ist jedoch oft, dass man daran recht gut Zusatzscheinwerfer befestigen kann.

Weitere Schutzmöglichkeiten sind Lampenschutzgitter oder sogar Lampenschutzscheiben die vor den Scheinwerfern und Rückleuchten montiert werden können. Die Gitter verhindern, dass peitschende Äste die Scheinwerfer zerschlagen können, während die Schutzscheiben auch verhindert dass aufgewirbelte Steine oder Schlamm das Leuchtenglas zerkratzen oder zerschlagen können. Auch wenn die Lampenschutzscheiben die bessere Schutzwirkung besitzen werden die Lampenschutzgitter häufiger montiert, vermutlich weil sie dem Fahrzeug einfach eine coolere Optik verleihen.

Last but ganz sicher nicht least möchten wir an dieser Stelle noch die Schutzfolierung erwähnen, die aus einer transparenten oder farbigen Folie besteht und entweder nur im Bereich der Seiten oder auch über das ganze Fahrzeug angebracht wird. Diese schützt sehr effektiv den Lack vor Kratzern von Ästen und Sträuchern.

LionParts Unterfahrschutz aus 8mm starkem Aluminium

 

Seilwinde

Als letzten wichtigen Punkt in dieser Dreierkombination sehen wir die Seilwinde. Eine Seilwinde ist der Retter in der Not, wenn gar nichts mehr geht und ist insbesondere für diejenigen, die häufig mit dem Auto alleine unterwegs sind ein „must have“. Egal wie gut ein Geländewagen auch ist, es kann immer passieren, dass man sich festfährt. Wenn dies passiert ist man bei einem schweren Fahrzeug wie den Land Rover Fahrzeugen meistens aufgeschmissen. Schaufel, Sandbretter, Waffleboards und High-Lifter können hier zwar oft schon eine Hilfe sein, nichts davon ist jedoch so zuverlässig und kraftvoll wie eine wirkliche Seilwinde. Neben dem Festfahren kann es aber auch sein, dass ein Baumstamm oder ein anderes Hindernis den Weg versperrt, den man nicht ohne Hilfe wegbewegen kann.

Ein ganz besonders wichtiger Punkt den ich selbst bei meinen Offroad Fahrten aber immer wieder merke ist, dass durch das Vorhandensein der Seilwinde das „Sicherheitsgefühl“ deutlich zunimmt.

Oft steht man vor einem Schlammloch und würde gerne seinen Weg fortsetzen, hadert aber mit sich selbst und bricht dann doch die Route ab und dreht um, nur weil man sich immer wieder denkt: „Ich bin alleine unterwegs, was wenn ich da drin steckenbleibe? Wer kann mir hier helfen? Habe ich Handy-Empfang?“

Exakt in solchen Situation ist die Seilwinde das „i-Tüpfelchen“ an Ausrüstung was man braucht. Die Seilwinde gibt einem die Sicherheit „es zu versuchen“, weil man hat ja eben eine Backup-Möglichkeit. Somit entscheidet sie oft über das Vorwärtskommen oder das Umdrehen, auch wenn man hinterher bei vielen Schlammlöchern feststellt, dass man die Winde gar nicht gebraucht hat.

Aus diesem Grund gehört für mich die Seilwinde zu einem der wichtigsten Feature an einem Geländewagen mit dem man Offroad unterwegs ist – es sei denn man fährt ausschließlich in Gruppen.

Seilwinde, Zusatzscheinwerfer und Stahlstoßstange

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